
CELLE. Nachdem zwischen CDU und SPD ein Konsens erzielt wurde, der bei der gestrigen Vorstellung in einer Pressekonferenz als mehrheitsfähig im Rat bezeichnet wurde, kommen nun Stellungnahmen dazu von den Fraktionen aus Rat und Kreistag aber auch vom Stadtelternrat, der Jungen Union und von der WG-Landkreis. Die Grünen beklagen den Zeitdruck und kündigen Ihre Gegenstimme im Rat an. Für den Stadtelternrat kommt die Einführung der Oberschulen zu schnell. Gefordert wird mehr Zeit für die Elternbefragung. Jörn Schepelmann von der Jungen Union Celle äußert sich erfreut, dass die Schulstrukturreform endlich angegangen werden kann. Die WG-Landkreis signalisiert Zustimmung, sieht jedoch in der IGS keine Regelschule und wird den Erhalt der Gymnasien unterstützen:
| „„Für das Celler Stadtgebiet gibt es keine Notwendigkeit, zum 1.8.2012 flächendeckend die Oberschule einzuführen. Daher werden wir dem geplanten Ergänzungsvertrag von Herrn Mende und Herrn Wiswe nicht zustimmen“, erklärte die schulpolitische Sprecherin der grünen Ratsfraktion Susanne Seitz. Mit der Einführung der Oberschulen solle unter zu großem Zeitdruck eine bestehende Schullandschaft verändert werden. „Die organisatorischen und pädagogischen Vorbereitungen für die Schaffung eines neuen Systems sind nicht in den wenigen Monaten bis zu den Anmeldungsterminen für Klasse 5 im Juni zu schaffen. Auch die Celler Schulleiter haben sich gegen eine Einführung zum Schuljahr 2012/13 ausgesprochen. Wer will also diese Umsetzung?“, fragt Frau Seitz. In ihrer Erklärung weist sie auch auf die Stellungnahme des Stadtelternrates hin, der sich missbilligend über den bisherigen Verlauf geäußert hat. „Bis jetzt sind die Eltern außen vor gelassen worden. Sie müssen bei einer solch wichtigen Entscheidung informiert und gehört werden. Warum wird der Elternwille übergangen? Ein derartiges Verhalten der Verwaltung schafft kein Vertrauen, sondern zeugt von Arroganz“, so Susanne Seitz. Insbesondere werde von der Stadt die Chance einer echten Strukturreform vertan und bereits erkennbarer Elternwille ignoriert, wenn in Überlegungen zu einer so langfristigen Veränderung der Schullandschaft nicht gleichzeitig die Planung einer Gesamtschule einbezogen werde. „Stadt und Landkreis wollen zuerst flächendeckend und sofort Oberschulen einführen und dann in zeitlichem Abstand in einer Elternbefragung den Bedarf einer Gesamtschule erheben. Das ist eine Verschleuderung von Ressourcen, und es bringt erneute Unruhe in die Schulen. Man kann dieses Vorhaben als Schildbürgerstreich bezeichnen und wohl auch als politisches Kalkül, Celler Eltern weiterhin das alternative Angebot einer Gesamtschule vorzuenthalten“ , sagte die grüne Politikerin abschließend.“ |
|
„Der Stadtelternrat ist mit den derzeitigen Ergebnissen zur Schulstrukturreform unzufrieden. Warum sind die Eltern nicht mit in den Verhandlungen einbezogen worden?
Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass mit der Einführung der Oberschule die Schuleinzugsbezirke entfallen. Auch über die so genannten Außenstellen sind die Eltern nur unzureichend informiert worden. Aus Sicht des Stadtelternrates wird es zu einem sozialen Gefälle zumindest in der Heese / Neustadt kommen. Denn sobald die Schuleinzugsbezirke aufgehoben werden, wird ein entsprechender Andrang, zuerst auf das Burgzentrum gefolgt von Westercelle und dann zuletzt auf die Heese erfolgen.
Wir sind davon überzeugt, dass mit der jetzigen Einführung der Oberschulen in der Stadt Celle das Thema IGS nicht mehr aufgegriffen bzw. die Option besteht das eine IGS in der Stadt errichtet wird. Auch wenn die Presse etwas anderes behauptet.
Hier wird erkennbar das, dass Pferd von hinten aufgezäumt wird. Man hätte die Einführung der Oberschule wenn zum Schuljahr 2013/2014 zustimmen sollen. So hätte man genügend Zeit gehabt eine Elternbefragung durchzuführen.
Es ist nicht nachzuvollziehen, das Herr Mende hier seine Prinzipien über Bord wirft, und der Einführung der Oberschulen in der Stadt Celle zustimmt, nur um eine IGS errichten zu können.
Der Stadtelternrat ruft zur geschlossenen Demonstration gegen die derzeitige Schulreform auf. Die Politik muss jetzt eindeutig erkennen, das Eltern nicht zu übergehen sind, wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht.
Den Politikern scheint nicht bewusst zu sein, dass das Vertrauen in der Stadt sowie auch im Landkreis bei den potentiellen Wählern aufgrund dieser Vorgehensweise mehr als erschüttert ist. Wird dieses billigend in Kauf genommen? Es wird immer deutlicher das es den Politikern schon lange nicht mehr um gute Schule und das Wohl und die Zukunft unserer Kinder geht.
J.Paczia Vorsitzender des Stadtelternrates Celle“ |
|
„Der geschlossene Kompromiss zwischen der Stadt und dem
Landkreis kann endlich einen langen Streit beenden.“
Die Junge Union Celle zeigt sich erfreut, dass die Schulstrukturreform jetzt zum kommenden Schuljahr angegangen werden kann. Hierzu erklärt der Vorsitzende der Jungen Union, Jörn Schepelmann: „Es ist sehr erfreulich, dass sich nun auch der Oberbürgermeister der Stadt und seine SPD durchringen konnten, einen guten Kompromiss für unseren Landkreis mitzutragen. Mit dem Entschluss die Oberschulen zum kommenden Schuljahr flächendeckend einzurichten wird es dem Landkreis als erster gelingen, den demographischen und schulischen Entwicklungen entgegenzutreten, um auch in Zukunft eine wohnortnahe Beschulung zu gewährleisten. Die vom Land versprochenen Leistungen werden uns bei der Einführung helfen und in Zukunft bei der Verbesserung der Schulqualität im ganzen Landkreis unterstützen. Zum Schuljahr 2014/15 soll dann aus einer Celler Oberschule zusammen mit einem Gymnasium eine Gesamtschule entstehen. Hiermit wird das gute Schulangebot auf Basis einer Elternbefragung um eine weitere Alternative für unsere Schülerinnen und Schüler ergänzt und die wenig hilfreiche Diskussion über einen eventuellen Neubau einer Schule an der Hohen Wende beendet. Um diese weitreichende Veränderung der Schullandschaft zu ermöglichen werden den Parteien Zugeständnisse abverlangt, ’die man nicht mal so eben durchwinkt’. Dafür danken wir schon jetzt allen Beteiligten. Ich bin davon überzeugt, dass die Oberschulen im ganzen Landkreis gut anlaufen werden, Lehrer, Eltern und Schüler die vielen Möglichkeiten der Oberschule ergänzt um eine Gesamtschule in der Stadt positiv aufnehmen werden und zu guter letzt die ewige Schulstrukturdebatte zumindest im Landkreis Celle beendet werden kann.“ |
|
„Tiefgreifende Veränderung der Schullandschaft im Landkreis Celle
Mit der Vereinbarung zwischen Stadt und Landkreis Celle zur kreisweiten Einführung der Oberschulen zum Schuljahr 2012/2013 sowie einer Integrierten Gesamtschule im Stadtbereich zum Schuljahr 2014/2015 konnte die Forderung der WG Landkreis Fraktion früher als erwartet umgesetzt werden. Die zeitnahe Einführung einer IGS war Gegenstand der Gruppenvereinbarung mit der CDU für die Kreistagsperiode 2011-2015.
Die WG Landkreis sieht darin einen zusätzlichen wichtigen Beitrag zur Vielfalt des schulischen Angebots für Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Begabungen und Neigungen. Gemeinsames Arbeiten und Lernen in der Schule sind weitere nicht zu unterschätzende Stärken der IGS. Dass die Entscheidung im Zusammenhang mit der Kompromisslösung zwischen Stadt und Landkreis getroffen werden musste, ist eine Randnotiz des (kreis-)poltischen Alltags und hat lediglich zu einer schnelleren Entscheidung geführt.
Allerdings sieht die WG Landkreis in der IGS nach wie vor keine Regelschule und wird auch zukünftig den Erhalt und die Förderung der Gymnasien unterstützen. Jetzt sind alle Beteiligten im Interesse unserer Kinder gefordert, gemeinsam und konstruktiv die Einführung der Oberschulen umzusetzen. Die Landesschulbehörde und der Landkreis als Schulträger sind nun in der Pflicht, diesen Prozess aktiv zu begleiten und dabei Eltern und Lehrer umfassend zu informieren und alle nur erdenkliche Hilfestellung zu geben. Das Zeitfenster ist denkbar knapp und wird bei Eltern und Lehrern nicht ganz zu unrecht kritisch betrachtet. Die demografische Entwicklung und die Gesamtverantwortung für alle Kommunen im Landkreis lassen uns jedoch kaum eine Alternative.
Allerdings ist die Politik nach Auffassung der WG Landkreis noch stärker als bisher in der Pflicht, die Bildungslandschaft dauerhaft zu fördern. Der jetzige Reformschritt darf nicht dazu führen, anschließend in den alten Trott zu verfallen und dringend notwendige Investitionen in die Bildung unserer Kinder mit dem Hinweis auf angeblich leere Kassen zu verweigern. Geld ist genügend vorhanden, wir müssen nur lernen, Prioritäten zu setzen. Bildung hat höchste Priorität. Dazu gehören auch die Rahmenbedingung wie eine optimale Schülerbeförderung, Sachausstattung und genügend qualifiziertes Lehrpersonal. Starten wir also die Bildungsoffensive Celler Land und verlassen uns nicht allein auf die Landesschulpolitik. Bildungsvielfalt ist Lebensqualität.
gez. Ulrich Kaiser, WG Landkreis – Fraktion, Mitglied des Schulausschusses im Kreistag gez. Torsten Schoeps, 1.Vorsitzender WG Landkreis und 1. Vorsitzender WG Celle e.V.“ |