Beitrag vom 20.01.2012
Schulstruktur: Trotz Bedenken Zustimmung für Kompromiss
Schulausschuss segnet Ergänzungsvertrag ab
CELLE. Der zwischen Landrat Klaus Wiswe und Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende ausgehandelte Kompromiss zur Schulstrukturreform hat zwar die erste Hürde genommen - die Wogen sind keinesfalls geglättet. Es hagelt aus allen Richtungen Vorbehalte und Kritik. Dass nun doch eine IGS in Aussicht steht, wertet die SPD als Erfolg, jedoch komme die IGS zu spät. Während zunächst mit Beginn des Schuljahrs 2012/2013 flächendeckend die Oberschulen eingeführt werden, soll eine IGS erst ab Schuljahr 2014/2015 kommen.
Es war nicht erwartet worden, dass nach dem ausgehandelten Kompromiss Jubel ausbricht, ein Kompromiss, der erst nach einer Entscheidung des Verwaltungsgericht Lüneburg möglich wurde. Die Stadt habe damit nicht die Schulreform stoppen wollen, führte Stadtrat Stephan Kassel aus. Der Kompromiss biete jedoch für die Stadt Vorteile. Amei Wiegel (SPD) hob die nun günstigere Position der Stadt hervor. Künftige Veränderungen könnten nun auf Augenhöhe mit dem Schulträger - dem Landkreis - verhandelt werden.
Massiver Widerstand gegen den engen Zeitplan zur Vorbereitung auf die Oberschulen kam von Susanne Seitz (Grüne). Sie wies auf die Verunsicherung der Eltern hin, die nicht wüssten, wo sie ihre Kinder anmelden sollen. Lehrpläne, Schulbücher, Bildung der Schulvorstände, alles sei noch nicht geklärt - die Vorbereitungen würden in die Ferienzeit hineinreichen, so dass sich ein Horrorszenario ergeben könnte und sich die Lehrer erstmals drei Tage vor Schulbeginn treffen könnten. Die flächendeckende Einführung der Oberschulen sei derzeit abzulehnen, was sich nicht generell gegen die Oberschulen richte. Die Kritik richte sich auf den engen Zeitrahmen, die zeitversetzte IGS-Einführung und die Absicht nur eine IGS einzuführen. Mit konkreten Planungen solle deshalb im August 2012 begonnen werden, um dann nach einem Jahr sowohl Oberschulen und IGS bilden zu können. Außerdem verwies Seitz auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Niedersachsen, vor denen offensichtlich noch Fakten geschaffen werden sollen.
Hannelore Fudeus (CDU) bestritt jeden Zusammenhang mit einer Wahl: „Entscheidungen müssen getroffen werden, wenn sie getroffen werden müssen.“ Man dürfe sie nicht von Wahlen abhängig machen. Ralf Busch (Unabhängige) äußerte sich skeptisch zu dem nun vorgelegten Tempo mit der Umsetzung der Schulstruktur. Man sei vom Heideexpress auf den Schnellzug umgestiegen und sehe immer weniger: „Das geht in die Richtung, dass das an den Hauptakteuren vorbeigeht.“
Stephan Kassel rechtfertigte den erzielten Kompromiss, der mit dem Zeitplan verankert ist, und berief sich auf den demografischen Wandel und die wegbrechenden Schülerzahlen. Klaus Didschiess (CDU) riet davon ab, den Kompromiss schönzureden, er sei aber zuversichtlich, dass man sich auf gutem Weg befinde. Allerdings seien durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts andere Erwartungen geweckt worden. Didschies rieb sich an dem Passus in dem Ergänzungsvertrag, der die „Aufhebung des Verbots von Schulbezirken“ vorsieht. Kassel räumte dazu ein, dass es keine aktuellen Planungen in diese Richtung gebe, es könne aber sein, dass es sich wegen des demografischen Wandels später die Notwendigkeit ergebe, wieder Schulbezirke einzuführen.
Heiko Carl, als Elternvertreter im Ausschuss, begrüßte, dass es eine IGS geben werde. Jetzt aber würden die Eltern ihre Kinder wohl erstmal bei einem Gymnasium anmelden. Ausschussvorsitzende Inga Marks (SPD) wies noch einmal darauf hin, dass Eltern vorher gefragt werden wollen, welche Schule eingeführt werden soll und nicht hinterher. Deshalb müsse bei der bevorstehenden Elternbefragung nicht nur der Bedarf für eine Oberschule abgefragt werden sondern auch für eine IGS. Amei Wiegel betonte, dass es keinen Grund für die eine flächendeckende Einführung der Oberschulen gebe. Dahinter stehe allein der Ehrgeiz des Landrats.
Bei der Abstimmung im Schulausschuss sprachen sich 5 für den Kompromiss aus, es gab eine Gegenstimme und 3 Enthaltungen.
Redaktion
Celler Presse