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Beitrag vom 16.01.2012

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Kinder- und Jugendkrankenhauses in der Fritzenwiese eröffnet

Tagesklinik und Ambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik









CELLE. Ab dem 18. Januar 2012 wird die Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kinder- und Jugendkrankenhauses AUF DER BULT eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Tagesklinik mit 12 Plätzen und angeschlossener Institutsambulanz in Celle betreiben. Bislang gab es wenige kinder- und jugendpsychiatrische Versorgungsangebote in Celle. Mit viel Unterstützung des Allgemeinen Krankenhauses Celle, der Stadt Celle, verschiedener sozialer Träger sowie des Landes Niedersachsen konnte nun die Versorgungslücke für den Raum Celle weiter geschlossen werden. Am heutigen Montag, 16. Januar 2011, wurde die Tagesklinik Celle im Beisein von Sozialministerin Aygül Özkan eröffnet.

„Jetzt geht’s los,“ sagte Thomas Beushausen, Vorstand der Hannoverschen Kinderheilanstalt, erleichtert im Beisein zahlreicher Gäste aus Kommunalpolitik, Verwaltung und anderen Institutionen. In kürzester Zeit sei das Gebäude für die Nutzung als Klinik umgebaut worden; 330.000 € wurden investiert. Beushausen hob die Handwerkerleistung hervor, die unter großem Zeitdruck erbracht werden musste: „Eine große Leistung mit angezogener Handbremse und Volldampf.“

„Wie gut und richtig die Entscheidung war, können wir heute hier sehen,“ räumte dann auch Ministerin Aygül Özkan ein. Außerdem habe viel Überzeugungsarbeit in den entscheidenden Gremien geleistet werden müssen. Ziel sei es gewesen, nach vielen fachlichen Gesprächen ein Bindeglied zwischen der vollstationären und ambulanten Versorgung vorzuhalten. Es habe sich angeboten, einen „Ableger“ der Kinder- und Jugendkrankenhauses AUF DER BULT einzurichten, um die Versorgungslücke im Raum Celle zu schließen. „Ich wünsche mir, dass hier möglichst viele junge Patienten ihr seelisches Gleichgewicht und ihre Gesundheit wiederfinden,“ schloss die Ministerin.

Landrat Klaus Wiswe wies darauf hin, dass bislang die Versorgung nur in Lüneburg und Hildesheim erfolgen konnte. Es habe schon lange die Erkenntnis gegeben, dass die Versorgung vor Ort erfolgen müsse. In Celle habe es aber bereits den vom Landkreis finanzierten psychosozialen Dienst gegeben, dieses ergänzende Angebot der Tagesklinik passe nun ganz hervorragend.

Sebastian Böstel, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, rückte die Landes- und Bundespolitik in den Fokus; es mache sich immer mehr der Mangel an Fachkräften bemerkbar, insbesondere im Pflegebereich und bei den Ärzten. Demnach gebe es bereits Kliniken, die Abteilungen schließen, weil sie nicht mehr in der Lage seien, Patienten anzunehmen. Böstel kritisierte die Pläne, das Abitur als Voraussetzung einer Ausbildung in der Krankenpflege einzuführen.

Die gute Zusammenarbeit zwischen der Klinik und dem AKH hob Martin Kirschstein, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am AKH hervor. Damit werde Kindern und Jugendlichen ein guter Dienst erwiesen.

Wie Burkhard Neuhaus, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, ausführte, seien die ersten 12 Patienten für die neue Tagesklinik bereits einbestellt, und es müssen bereits andere warten. Neuhaus wandte sich gegen die öffentliche Darstellung, Kinder würden heutzutage zunehmend psychisch kränker. Er bezog sich auf das Buch Struwwelpeter. Neuhaus: „Struwwelpeter, eigentlich nicht bekannt als psychiatrisches Lehrbuch - aber einige dieser Symptomatiken behandeln wir noch heute.“ Die Forschung besage, dass etwa 16 % der Jugendlichen verhaltensauffällig seien, und 5 - 7 % behandlungsbedürftig seien, aber nicht erst seit heute. Wenn auch der Eindruck bestehe, dass es immer schlimmer werde, so werde das nicht von der Wissenschaft gestützt.

In unmittelbarer Nähe zum Allgemeinen Krankenhaus Celle am Rande der Altstadt wurde das Gebäude Fritzenwiese 15 umgebaut. Es ist über 100 Jahre alt, umfassend renoviert und wurde auf den aktuellen baulichen Stand einer Tagesklinik gebracht. Die freundliche Atmosphäre des Hauses mit großem Freigelände, unmittelbar an der Aller, wird den Patienten und ihren Familien das Ankommen sicher erleichtern. Die Behandlung wird in einer Kindergruppe und einer Jugendlichengruppe mit jeweils sechs Plätzen erfolgen. Das in der Tagesklinik in Hannover bewährte Konzept wird auch in Celle umgesetzt.

Eine tagesklinische Behandlung kann erfolgen, wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht und eine vollstationäre Behandlung noch nicht oder nicht mehr nötig ist. Die Behandlung erfolgt in einem multiprofessionellen Team (Arzt/Ärztin, Psychologe/in, Sozialarbeiter/in, Erzieher/in und Kinderkrankenpfleger/innen, Ergotherapeut/in und Lehrkräfte).

Häufige Aufnahmegründe sind Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen, depressive Entwicklungen, soziale Ängste, Trennungsangst, aggressives Verhalten, Schulvermeidung. Die Behandlung basiert auf einer umfassenden Diagnostik und Therapie mit intensiver Einbeziehung der Familien und Lebensumfelder. Ein wesentlicher Bestandteil von Diagnostik und Therapie der Kindern und Jugendlichen ist der Gruppenkontext.

In dem familientherapeutisch ausgerichteten Setting wird besonderen Wert auf eine gute und intensive Zusammenarbeit mit Eltern und Familien gelegt. Diese beginnt mit dem gemeinsamen Festlegen von Behandlungszielen und beinhaltet unter anderem regelmäßige Gesprächen zwischen Eltern und Bezugsbetreuer/in und behandelnden Therapeuten, z. B. in der Bring- und Abholsituation.

Im gleichen Gebäude entsteht zudem eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Ambulanz. Hier wird insbesondere geklärt, ob das tagesklinische Angebot für die anfragenden Patienten geeignet ist.

Öffnungszeiten
Die Tagesklinik ist von Montag bis Freitag von 7:30 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Kontakt
Tagesklinik Celle mit Ambulanz
Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Fritzenwiese 15
29221 Celle
Telefon 05141 97724-0
kjp-celle@hka.de
www.celle-tagesklinik.de

Redaktion
Celler Presse